Ein Gedanke zu „Zur Rasse

  1. Lagotto Fell – „Lockenmärchen“ – „Lügenmärchen“!

    Der nachfolgende Artikel stammt aus dem Lagotto Romagnolo Züchtergemeinschaft – Newsletter 2/09_2016 von Jochen Eberhardt.

    „Der Lagotto Romagnolo haart nicht“!
    Das ist eine klassische Marketing-Lüge.
    Als Haaren bezeichnet man, wenn ein Lebewesen Haare verliert.
    Menschen haaren, weil ihre Haare im Laufe eines Jahres etwa 15 cm wachsen.Laienhaft betrachtet hält ein menschliches Haar zwischen zwei und sechs Jahre, dann fällt das ‚alte‘ Haar aus und es bildet sich ein neues.
    Der Mensch haart, es fallen zwischen 60 und 100 Haare täglich aus.
    Menschen haben nur eine Sorte Haare. Weil die Haare des Menschen recht dünn sind, sieht man die ausgefallenen Haare nicht so deutlich.

    Aber: der Mensch haart.
    Hunde erleben saisonal bedingt einen oder zwei Haarwechsel pro Jahr. Lagotti Romagnoli haben – wie viele andere Hunderassen auch – ein doppeltes Haarkleid: das, was wir Deckhaar nennen, (wissenschaftlich Fellhaare ,Capilli, als Leit- und Grannenhaare) und unmittelbar auf der Haut unter dem Deckhaar die Unterwolle, wissenschaftlich Wollhaare (Pili lanei).
    Das Deckhaar (von seinem inneren Aufbau her mehrschichtig und daher steifer – wenn die lagottotypische Wolligkeit vorhanden ist ) wächst beim Lagotto immer länger und wird, damit es sich, wenn gelockt, nicht zu langen Schnüren dreht, geschnitten – so dass die typische Lagotto-Silhouette entsteht. Was abgeschnitten wird, kann schon mal nicht ausfallen – und so sieht man keine herumliegenden Haare. Man glaubt, der Lagotto haare nicht.
    Die Unterwolle hingegen, die meist flach entlang der Körperhaut liegt, besteht aus Wollhaaren. Wollhaare (Pili lanei) sind dünn, nicht gerade und nicht gelockt. Sie besitzen im Gegenteil zu den Haaren des Deckhaars kein Haarmark und können daher nicht stehen. Die dicht aneinander liegenden Wollhaare umgeben als Sekundärhaare die eigentlichen Fellhaare (Primärhaare). Sie bilden die Unterwolle, die vor allem im Dienste der Wärmeisolierung steht, beim Lagotto auch der ‚Wasserdichtigkeit‘. Wollhaare besitzen je nur eine Talgdrüse und keinen Haarbalgmuskel, sie können z.B. bei Aufregung nicht aufgerichtet werden. Sie entsprechen weitgehend dem Vellushaar des Menschen, dem Flaumhaar, wie es Säuglinge oft auch im Gesicht haben.
    Wenn, wie selbst der Rassestandard ausweist, der Lagotto Romagnolo „mindestens einmal im Jahr vollständig geschoren werden“ muss, wird damit auch die Unterwolle gekürzt (sonst hieße der Wortlaut ja nicht ‚vollständig‘), die meist besonders in den Ellenbeugen verfilzt. Die Unterwolle wächst stetig. Wird nur das Deckhaar in Form geschnitten und die Unterwolle bleibt unangetastet, wird sie langsam zwischen dem geschnittenen Deckhaar herauswachsen und fällt, wenn die Lebensdauer des einzelnen Haares erreicht ist, aus. Das gibt prächtige ’Wollmäuse‘, die in der Wohnung herumrollen.

    Der Lagotto Romagnolo haart also doch!
    Grobschlächtige und rücksichtslose Hundefriseure, die offenbar den Standard nicht lesen können, reißen im Zuge ihrer unangemessenen und kostspieligen ‚Pflegemaßnahmen‘ die Unterwolle des Lagotto einfach heraus; Lagottobesitzer sollten sich als Kunden dies folglich einfach verbitten.
    Abgesehen davon, dass das Herausreißen von Haaren überflüssiges Unbehagen beim Hund verursacht, hat ein Lagotto Romagnolo ohne Unterwolle kein standardgerechtes Haarkleid (im Standardwortlaut wurde jüngst eigens eingefügt: “mit sichtbarer Unterwolle“) Und neben anderen Eigenschaften und Vorzügen ist eben das Haarkleid beim Lagotto rassebildprägend.
    ©Jochen H. Eberhardt August 2016

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